#1 Das Meer des Admirals von Reverend_Coyote 26.04.2017 11:44

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Hallo Freunde,

April 3, 2017 - das Datum, an dem unser Mond ein Schauspiel darbot, welches mir durch glückliche Umstände nicht entging. Wetter, Instrumentarium, familiäre Umstände und andere Dinge ließen mich, wie man so sagt, zur richtigen Zeit am richtigen Orte sein - in der 'Nähe' des lunaren Mare Smythii, einem der östlichen Randmeere des Mondes. Eigentlich aber doch in meinem Garten, am Ende eines von einer Videokamera kommenden USB-Kabels; also leider doch nicht so ganz in der Nähe besagten Meeres. Eingesetzte Geräte: AstroPhysics EDF-Refraktor 130/780mm, TS Apo-Barlowlinse 3x, F(eff)~2340mm, QHY IMG-132E Farbvideokamera (1280x1024 Pixel, 3.63um quadratisch), keine Filter. Verwendete Software: SharpCap, PIPP, AVIstack, FITSwork, AstroArt, IrfanView, GIMP.

Benannt ist dieses Mondmeer nach dem englischen Royal Navy Admiral William Henry Smyth, einem bekannten Deep Sky Beobachter des 19. Jahrhunderts, welcher durch Beobachtungen in seinem selbsterrichteten Observatorium das zweibändige Werk "A Cycle of Celestial Objects" verfasste, dessen Vol.II der bekannte "Bedford Catalog" ist. Er benutzte einen parallaktisch montierten 6" Tulley-Refraktor dafür. Der Band II mit den Objektbeschreibungen ist bis in die 1980er Jahre aufgelegt worden und vom Stil her wunderschön zu lesen, wenngleich die Informationen mittlerweile teilweise etwas antiquiert sind. Ein ähnliches, neueres Werk dieser Art ist "Burnham's Celestial Handbook" (Vol.I-Vol.III). Beide Werke gehören zu meinen Lieblingsbüchern. Die beiden Bände von Smyth kann man hier und hier kostenfrei herunterladen. Ob die alten Legenden wohl recht haben und die Seele des Admirals nun auf ewig sein Mondmeer befährt? Ich hoffe in seinem Interesse, daß dies nicht der Fall ist!

Aber zurück zum eigentlichen Thema:
Es enstanden mehrere Videosequenzen des Mare Smythii, aus denen ich das hier gezeigte Bild erzeugte. Es zeigt das komplette Mare Smythii in randnaher Librations-Position. Die Berge/Kraterwälle der östlichen Randgebiete heben sich direkt gegen den Mondhorizont ab, die Beleuchtung der Krater im Vordergrund ist schattenlos bei hohem Sonnenstande. Das ganze Bild ist sicherlich nicht mein bestaufgelöstes Mondbild, aber, vom Stimmungsfaktor her, mein bislang Schönstes. Es wirkt wie bei einem Anflug im schrägen Winkel von einer Raumkapsel aus und die schattenlosen Krater verstärken dieses Gefühl noch. An den Bergflanken am Horizont kann man bereits Schattierungen erkennen und auch deren durchaus nicht schroffen, sondern sanft gerundeten Formen, wie es die Bilder der Apollomissionen ja auch zeigten. Die früher in künstlerischen Darstellungen der Mondoberfläche oft gezeigte Schroffheit der Landschaft mit nadelspitzen Bergen hat sich als falsch herausgestellt.

Im Mare selber sind etliche Details sichtbar, deren Identifizierung vermittels des Kartenausschnittes aus dem Programm "Virtual Moon Atlas" möglich ist. Die Beobachtung der Mondrandgebiete, auch bei Vollmond, ist hochinteressant, wir sehen dort die Mondoberfläche unter einem völlig ungewohnten Winkel, nicht nur steil von oben. Ein sehr gutes Seeing und eine extrem exakte Fokussierung des Teleskopes sind allerdings vonnöten, um Doppelbilder des Mondrandes zu vermeiden.

Euer Reverend Coyote

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